herzlich willkommen beim Zukunft Fahrrad Politik-Briefing, dem neuen Newsletter für Mobilität und Wirtschaft. Bis zu sechsmal im Jahr informieren wir Sie über aktuelle Themen rund um das Fahrrad im Mobilitätsmix und seine wirtschaftliche Bedeutung in Deutschland.
Als Interessenvertretung der innovativen Fahrradwirtschaft in Deutschland setzen wir uns für einen positiven, ganzheitlichen und zukunftsorientierten Blick auf das Fahrrad ein. Das Fahrrad ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel, mit dem Menschen gesund und mit viel Freude unterwegs sind. Dahinter stecken viele kluge Köpfe, Unternehmen und Innovationen, die dafür sorgen, dass sich mehr Menschen hochwertige und sichere Räder leisten, diese sicher abstellen und versichern können oder mit der passenden Navigation den besten Weg finden.
Ob Fahrräder, E-Bikes, S-Pedelecs, Cargobikes oder auch Spezialräder für mobilitätseingeschränkte Menschen: Millionen Menschen sind damit mobil. Mehr als 76.000 Menschen arbeiten in Produktion, Handel und Dienstleistungen rund ums Rad, meist in kleinen und mittelständischen Unternehmen, die über das ganze Bundesgebiet verteilt sind. Durch weitere indirekte und induzierte Effekte in der Wertschöpfung profitieren sogar mehr als 205.000 Beschäftigte von diesen Kernsektoren. Dazu kommen der Fahrradtourismus, die Radlogistik und weitere Wirtschaftszweige.
In dieser ersten Ausgabe geht es um das Dienstradleasing, das einen deutlichen Wachstumsschub in der Fahrradbranche ausgelöst und Millionen Menschen aufs Fahrrad und E-Bike gebracht hat. Schon 269.000 Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit, ein Dienstrad zu leasen. Damit hat sich das Modell zu einem wichtigen Benefit für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften entwickelt. Aus der deutschen Arbeitswelt ist es kaum mehr wegzudenken. Dennoch fehlt bislang die gesetzliche Verankerung.
Falls Sie Anmerkungen oder Ideen für unser neues Format haben, freuen wir uns über Ihre Nachricht an presse@zukunft-fahrrad.org.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Wasilis von Rauch
Geschäftsführer Zukunft Fahrrad
FAHRRADFAKTEN
Beschäftigte und Umsatz in der Fahrradwirtschaft 2024
Quelle: Branchenstudie 2025, T3 Transportation Think Tank im Auftrag von Zukunft Fahrrad
Aktuell nutzen 2,1 Millionen Menschen in Deutschland ein Dienstrad, finanziert über Gehaltsumwandlung oder Gehaltsplus. Möglich wird das, weil Arbeitgeber Dienstradleasing als attraktiven Benefit anbieten. So können sich viele Beschäftigte ein hochwertiges Fahrrad oder E-Bike leisten und sind damit gesund und stressfrei unterwegs – auf dem Weg zur Arbeit, im Alltag und in der Freizeit. Für Unternehmen wiederum ist das Modell ein wirksames Instrument, um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, sich als moderner Arbeitgeber zu positionieren und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Vom DAX-Konzern bis zum Handwerksbetrieb ist das Dienstradleasing bundesweit beliebt. Allein bei der Deutschen Bahn haben in den vergangenen Jahren rund 100.000 Mitarbeitende auf ein Dienstrad gesetzt. Und der Trend wächst: In einer Studie zur Transformation der Unternehmensmobilität gaben 77 Prozent der befragten Firmen an, Dienstradleasing einzuführen oder auszubauen (ECF Whitepaper).
Dienstradleasing ist ein einfaches Instrument, um gesunde und effiziente Mobilität zu fördern, Arbeitgebern einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und die Fahrradbranche in Deutschland zu stärken.
Wachstumstreiber für den Fahrradmarkt in Deutschland und Europa
Neben Arbeitgebern und Mitarbeitenden profitiert auch die Fahrradbranche durch die steigende Nachfrage. Somit hat sich das Dienstradleasing in den vergangenen Jahren zu einem Motor und Stabilisator der Fahrradwirtschaft entwickelt.
Durchschnittspreis geleastes E-Bike 2024: 3.720 Euro (40 Prozent über Marktdurchschnitt) (ebd.)
Anteil von E-Bikes in deutschen Haushalten: von 8 Prozent (2017) auf 21 Prozent (2023) gestiegen (BMDV 2025)
Diese Zahlen zeigen, dass das Dienstradleasing insbesondere zur Verbreitung von E-Bikes in Deutschland beiträgt und hochwertige Räder für viele Menschen erschwinglich macht. Dies bringt mehr Menschen aufs Rad und erweitert die Distanzen, die im Alltag mit dem Rad einfach zu bewältigen sind.
*durchschnittliche jährliche Wachstumsrate
Quelle: Deloitte & Zukunft Fahrrad – Der Deutsche Dienstradleasing-Markt, Juni 2025
Auch die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette profitieren. Hersteller und Handel gewinnen neue Kund:innen und verkaufen hochwertigere Räder. Leasing-Anbieter haben seit 2012 ein starkes Wachstum verzeichnet, und selbst der Gebrauchtmarkt wird belebt: Leasing-Rückläufer gelangen nach Ablauf der Verträge als Second-Hand-Bikes auf den Markt und erschließen so zusätzliche Zielgruppen.
Mit dem Verkauf von Fahrrädern und E-Bikes wurden im Jahr 2024 insgesamt 6,3 Milliarden Euro umgesetzt, davon 2,6 Milliarden über das Leasing.
Das Erfolgsmodell Dienstradleasing hat inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus Nachahmer gefunden. Länder wie Belgien oder Österreich haben vergleichbare Regelungen eingeführt. Und die European Cyclists' Federation setzt sich aktiv dafür ein, dass dieses Beispiel europaweit Schule macht (ECF Whitepaper).
Grundlage für das Dienstradleasing per Gehaltsumwandlung ist die Anlehnung an die Regelung für Dienstwagen, bei der der geldwerte Vorteil für die private Nutzung pauschal auf den Bruttolistenpreis als Bemessungsgrundlage angesetzt wird.
Von 2012 bis 2019 galt die 1-%-Regel.
Seit 2020 profitieren Diensträder von der 0,25-%-Regel, wie E-Autos (befristet bis zum Jahr 2030)
Bei Leasing als Gehaltsplus: 0 % Versteuerung.
So attraktiv diese Regelungen sind, sie beruhen nicht auf einer gerichtsfesten gesetzlichen Grundlage. Während der Dienstwagen seit langem klar im Einkommensteuergesetz verankert ist, stützt sich das Dienstradleasing per Gehaltsumwandlung lediglich auf einen Erlass der Landesfinanzministerien. In der Praxis führt das immer wieder zu Unsicherheiten und Detailproblemen. Hinzu kommt: Der reduzierte Steuersatz ist bis 2030 befristet. Damit fehlt der Branche und den Nutzer:innen langfristige Planungssicherheit.
ABSICHERUNG IM EINKOMMENSTEUERGESETZ
Die Fahrradwirtschaft fordert, das Dienstradleasing im Einkommensteuergesetz mit der Versteuerung des geldwerten Vorteils mit 0,25 Prozent eigenständig und dauerhaft zu verankern. Nur so entsteht die notwendige Rechtssicherheit für Unternehmen, Leasing-Anbieter und Nutzer:innen. Dabei geht es nicht allein um das Rad selbst. Auch fahrradtypisches Zubehör, Diebstahlschutz oder Montagekosten müssen als leasingfähig anerkannt werden. Nur mit passender Ausstattung und zuverlässiger Sicherung ist das Dienstrad im Alltag ein guter Begleiter.
Um den Dienstradleasingmarkt erfolgreich und zukunftsfest weiterzuentwickeln, benötigt die Branche Sicherheit in Form einer Rechtsnorm. Investoren und Unternehmen fragen zunehmend nach der langfristigen gesetzlichen Basis.
Ein Verwaltungsakt ist für die Regulierung eines Milliardenmarkts mit Millionen Nutzer:innen nicht ausreichend. Im Jahr 2012 war der Erlass eine pragmatische Lösung für einen Nischenmarkt. Heute betrifft die steuerliche Gestaltung mehrere Millionen Diensträder bundesweit, die Steuerabteilungen der meisten Unternehmen sowie die gesamte Fahrradwirtschaft.
Der Fahrradmarkt nimmt bei Deloitte eine zunehmend wichtige Rolle ein, da Fahrräder nicht nur die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern, sondern auch zum Umweltschutz und zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes beitragen. Wir erkennen die Bedeutung nachhaltiger Mobilität für die Gesellschaft und unsere Mitarbeitenden an. Die Anzahl unserer Klienten aus dem Fahrradmarkt ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Wir beraten unterschiedliche Akteure der Industrie, wie zum Beispiel Autohersteller, Händler, Dienstradleasinganbieter, Versicherungen, entlang eines breiten Themenspektrums.
Warum nimmt Deloitte den Dienstradleasingmarkt genauer unter die Lupe?
Deloitte hat ein großes Interesse am Dienstradleasingmarkt, da wir diesen Bereich als einen der zentralen Treiber des Fahrradmarktes sehen. Wir erkennen das Potenzial, das Dienstradleasing sowohl für Arbeitnehmende als auch für Unternehmen hat. Mit der Untersuchung dieses Marktes machen wir Entwicklungen transparent und leisten einen Beitrag zur Förderung nachhaltiger Mobilität und umweltfreundlicher Fortbewegung. Akteure im Markt melden uns zurück, dass die von uns erhobenen Daten sie bei strategischen Entscheidungen unterstützen.
Wie bewerten Sie die Entwicklungen in diesem Segment in den letzten Jahren?
Die Entwicklungen im Dienstradleasingsegment waren in den vergangenen Jahren äußerst positiv. Wir haben einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Diensträdern und ein wachsendes Bewusstsein für umweltfreundliche Fortbewegung feststellen können. Die immer größere Akzeptanz von solchen Angeboten zeigt, dass Unternehmen und Arbeitnehmende zunehmend bereit sind, auf nachhaltige Transportoptionen umzusteigen.
Welche Entwicklungen erwarten Sie beim Dienstradleasing in den nächsten Jahren?
Für die Zukunft des Dienstradleasingmarktes erwarten wir weiteres Wachstum, das vor allem durch kleine und mittlere Unternehmen getrieben wird, sowie eine zunehmende Internationalisierung. Wir gehen davon aus, dass immer mehr Unternehmen Dienstradleasing als Option für ihre Mitarbeitenden anbieten werden. Zudem erwarten wir eine verstärkte Integration von Technologien und Dienstleistungen, die das Dienstradleasing noch benutzerfreundlicher und zugänglicher machen werden.
Und für die Fahrradwirtschaft insgesamt, was kommt da auf uns zu?
Trotz der Herausforderungen der vergangenen zwei Jahre, erwarten wir für die gesamte Fahrradwirtschaft zukünftig eine positive Entwicklung. Die steigende Nachfrage nach Fahrrädern als umweltfreundliche Transportmittel wird zu Innovationen und Wachstum im Markt führen. Wir sehen eine stetige Zunahme von Elektrofahrrädern, Sharing-Modellen und nachhaltigen Mobilitätslösungen, die die Fahrradwirtschaft weiter voranbringen werden.
IM PROFIL
FLORIAN BAUR
CEO JobRad GmbH
Wenn Florian Baur Zeit für sich hat, schnappt er sich sein Mountainbike und fährt hinaus in die Natur. Für den CEO der JobRad GmbH ist Radfahren Leidenschaft, Überzeugung und täglicher Antrieb. „Menschen aufs Rad zu bringen“, sagt er, sei der Kern seiner Arbeit. Seit April 2022 führt Baur das Freiburger Unternehmen, nachdem er zuvor als CEO bei der emnos Gruppe und in leitenden Positionen bei Payback Verantwortung getragen hatte. Bei JobRad hat er gefunden, was ihn persönlich begeistert: Sinn, Haltung und ein starkes Team, das gemeinsam Mobilität neu denkt.
JobRad ist eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie aus einer Idee eine Bewegung werden kann. Ausgehend vom Gründungsimpuls, dass es analog zum steuerlich geförderten Dienstwagen auch Diensträder geben sollte, hat sich ein neuer Markt entwickelt.
Die Zahlen unterstreichen diesen Weg: mehr als 1,7 Millionen geleaste Fahrräder, über 100.000 Arbeitgeberkund:innen, rund 850 Mitarbeitende und ein Umsatz von über einer Milliarde Euro allein im Jahr 2024. Dabei setzt das JobRad auf werteorientiertes Unternehmertum, demokratisches Miteinander und gesellschaftliches Engagement. Als Hauptsponsor des SC Freiburg bringt JobRad das Dienstrad sogar ins Stadion und öffnet dem Fahrrad damit ganz neue Welten.
Baur will diesen Weg weitergehen: Er setzt auf digitale Produktinnovationen und neue Angebote in Zusammenarbeit mit Schwesterunternehmen. Ein Beispiel dafür ist JobRad Loop, das durch die Wiederaufbereitung von Leasingrückläufern einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leistet. Er ist überzeugt, dass das Fahrrad und vor allem das E-Bike der Schlüssel zu einer modernen Mobilitätskultur ist, die er Tag für Tag mit JobRad vorantreibt.
AKTUELLES
Branchenstudie des T3 Transportation Think Tanks zur Fahrradwirtschaft 2025
Berlin, 18. Juni 2025
Zwischen Krise und Aufbruch
Dienstleistungsbereiche wie das Dienstradleasing oder der Refurbishingmarkt wachsen weiter.
205.000 Menschen verdanken ihren Arbeitsplatz direkt oder indirekt der Fahrradwirtschaft.
Maßnahmenvorschläge von Zukunft Fahrrad, ZIV - Die Fahrradindustrie, Verbund Service & Fahrrad und ADFC zur Umsetzung des EU-Klima-Sozialfonds in Deutschland.
mit Allianz pro Schiene, ADFC, IG Metall, EVG. Thema: Infrastrukturfinanzierung und Potenziale der Radbranche für die Transformation des Arbeitsmarktes im Mobilitätssektor. Mehr
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Zukunft Fahrrad @IAA
10. September 2025
Podiumsdiskussion "Wirtschaftsfaktor nachhaltige Mobilität" mit Wasilis von Rauch, Inga Schlichting (DB) und Dr. Claudia Elif Stutz (BMV-Staatssekretärin) bei der IAA Mobility in München. Mehr
Parlamentarisches Frühstück
9. Oktober 2025
Thema: Zukunft des Dienstradleasings und die nötigen steuerrechtlichen Rahmenbedingungen; Schirmherrschaft: Johannes Schraps, MdB (SPD).
Das Politik-Briefing - Newsletter für Mobilität und Wirtschaft ist ein Produkt des Wirtschaftsverbands Zukunft Fahrrad.Er vertritt die Interessen der innovativen Fahrradwirtschaft in Deutschland. Zu den über 100 Mitgliedern gehören Dienstleister, Hersteller, Anbieter von Soft- und Hardware der Digitalisierung, Händler sowie Zulieferer der Fahrradwirtschaft. Vom Startup bis zum Global Player eint sie das Ziel einer ambitionierten und Radverkehr fördernden Verkehrspolitik. Zukunft Fahrrad setzt sich für die Transformation der Mobilitätswirtschaft in Deutschland ein und arbeitet daran, Deutschland als stark wachsenden und innovativen Standort der Fahrradwirtschaft zu einem internationalen Leitmarkt zu machen. Mehr Informationen unter www.zukunft-fahrrad.org